Häuslicher Pflegedienst Hartl
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"Myokardinfarkt (Herzinfarkt)"

 

Definition:

 

  • Eine Angina pectoris ("Brustenge") wird ausgelöst durch einen vorübergehenden Sauerstoffmangel der Herzmuskulatur infolge von verminderter Durchblutung. Die Anfälle treten bei körperlicher oder psychischer Belastung auf. Die Beschwerden eines Angina-pectoris-Anfalls können sehr leicht mit denen eines Herzinfarktes verwechselt werden.

  • Ein Myokardinfarkt wird ausgelöst durch den Verschluss einer Koronararterie mit der Folge, dass Teile des Herzmuskels nicht mehr ausreichend versorgt werden. Bereits nach 20 bis 30 Minuten Unterbrechung des Blutstroms beginnen die Herzmuskelzellen abzusterben. Nach 3 bis 6 Stunden ist die Nekrotisierung so weit fortgeschritten, dass bleibende Schädigungen zurückbleiben.

    Die Nekrose kann alle Herzwandschichten erfassen oder auf Teilbereiche begrenzt bleiben. Je nach Lokalisation des Geschehens wird zwischen Vorderwand-, Seitenwand- und Hinterwandinfarkt unterschieden. Am häufigsten ist ein Infarkt in der linken Kammerwand.

    Der Herzinfarkt zählt zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. Bei Männern sind rund 13 Prozent aller Todesfälle und bei Frauen 8 Prozent auf Herzinfarkt zurückzuführen.

  • Ein kardiogener Schock ist ein lebensgefährliches Kreislaufversagen, das zu gravierendem Sauerstoffmangel in den Organen führt. Auslöser ist ein "Pumpversagen" (primäres Herzversagen).

 

Standard "Myokardinfarkt (Herzinfarkt)"
 
Grundsätze:
  • Wenn hinreichende Anzeichen für einen Herzinfarkt sprechen, wird immer ein Notarzt gerufen. Die Folgen eines oder ggf. auch mehrerer Fehlalarme wiegen weniger schwer als eine verzögerte Behandlung bei einem echten Notfall.
  • Der Notruf erfolgt auch dann, wenn der Bewohner diesen nicht wünscht, etwa weil er die Gefährdung nicht korrekt einschätzt.
  • Zwar sind Männer bei Herzinfarkten häufiger vertreten, dennoch muss auch bei Frauen bei Vorliegen der einschlägigen Symptome stets an einen Herzinfarkt gedacht werden.
  • Bei einem Herzinfarkt geht es zwar um Minuten, dennoch dürfen Maßnahmen nicht überhastet werden.
  • Die schriftliche Patientenverfügung wird beachtet, insbesondere bei einer Reanimation.
Ziele:
  • Ein Herzinfarkt wird schnell und korrekt erkannt.
  • Bis zum Eintreffen des Notarztes wird der Kunde korrekt versorgt.
  • Die häufigsten Komplikationen werden vermieden, insbesondere
    • Herzrhythmusstörungen
    • Herzinsuffizienz
    • Schock
    • arterielle Embolie, Lungenembolie
    • Herzwandaneurysma (umschriebene Aussackung der Herzwand)
    • Herzwandruptur
Vorbereitung: allgemeine Maßnahmen
  • Die richtigen Maßnahmen nach einem Herzinfarkt werden regelmäßig im Rahmen der Erste-Hilfe-Ausbildung thematisiert.
  • Wir halten stets aktuelle Fachliteratur zu diesem Thema bereit.
  achten auf Symptome

Wir achten auf Symptome, die auf einen Herzinfarkt schließen lassen:

 

  • Der Kunde klagt über Schmerzen, insbesondere:
    • plötzliche, sehr heftige Schmerzen im Brustraum
    • ausstrahlende Schmerzen in die Arme, den Bauch, zwischen die Schulterblätter oder in den Unterkiefer
    • Schmerzen, die länger als 15 Minuten anhalten
    • Schmerzen, die deutlich stärker sind als bei vorangegangenen Angina-pectoris-Anfällen
    • Schmerzen, die sich trotz Verabreichung der Bedarfsmedikation (etwa Nitroglyzerinspray) nicht bessern.
    • Schmerzen, die sich auch bei körperlicher Entlastung nicht bessern.
  • Bei jedem fünften Betroffenen, vor allem bei Diabetikern und Senioren, kann der Infarkt auch "stumm" auftreten, also annähernd beschwerdefrei.
  • Es gibt weitere Symptome, etwa:
    • Engegefühl
    • Todesangst
    • Unruhe
    • Übelkeit und Erbrechen
    • blasse oder fahl-graue Gesichtsfarbe
    • kalter und klebriger Schweiß im Gesicht, zumeist auf der Stirn oder über der Oberlippe
    • verzerrter Gesichtsausdruck
    • Atemnot, die ein Hinsetzen oder Hinlegen erzwingt
    • plötzlicher Kreislaufzusammenbruch, häufig mit Bewusstlosigkeit und kardiogenem Schock
Durchführung: Maßnahmen:
  • Die Pflegekraft löst – wenn Hausnotrufgerät vorhanden - darüber Alarm aus. Falls kein Hausnotrufgerät installiert ist, wird per Handy die 112 angerufen und der Notarzt alarmiert.
  • Die Pflegekraft bleibt permanent beim Kunden. Der Kunde wird (soweit möglich) beruhigt.
  • Bei Herz-Kreislauf-Stillstand wird der Kunde sofort reanimiert. Die Reanimation wird fortgesetzt bis der Notarzt eingetroffen ist oder das Herz des Kunden wieder schlägt.
  • Der Kunde wird ins Bett gebracht und mit erhöhtem Oberkörper gelagert (bei einem Schock nur leicht erhöht).
  • Einengende Kleidung wird gelockert oder entfernt.
  • Die Vitaldaten werden ermittelt, insbesondere Puls, Blutdruck, Atmung und Bewusstseinslage.
  • Die Pflegekraft sorgt für Frischluftzufuhr. Ggf. wird ein Fenster geöffnet.
  • Sofern ärztlich angeordnet
    • wird Sauerstoff verabreicht.
    • wird bei einem diastolischen Blutdruckwert über 100 mmHg ein bis zwei Hübe Nitro-Spray unter die Zunge verabreicht.
  • Bei einem kardiogenen Schock und bei einem systolischen Blutdruck unter 100mmHg sind Nitropräparate kontraindiziert.
  • Alle Maßnahmen und Medikamentengaben werden (ggf. formlos) dokumentiert.
nach oben nach oben Zusammen-
stellen der Informationen
Direkt nach dem Notruf stellt eine Pflegekraft alle relevanten Informationen zusammen, die für die weitere Behandlung des Kunden relevant sein könnten, insbesondere:

 

  • bereits bekannte Schädigungen des Herzens, insbesondere vorangegangene Herzinfarkte
  • ggf. Erkrankung an Diabetes Mellitus.
  • Personalausweis, KV-Karte, Allergiepass usw.
  • falls Zeit bleibt: alle weiteren im Standard "Krankenhauseinweisung" genannten Daten
  weitere Maßnahmen:
  • Ein Kunde, der möglicherweise einen Herzinfarkt erlitten hat, erhält keine i.m.-Injektionen durch Pflegekräfte. Bei einer nachfolgenden Lysetherapie (Auflösung von Thromben) kann es zu nicht kontrollierbaren und lebensbedrohlichen Blutungen kommen. Außerdem könnten die durch die Spritze verursachten Zellschäden die Blutuntersuchung des CK-Wertes (Kreatinphosphokinase) verfälschen. Dieser Test ist unverzichtbarer Bestandteil der Diagnostik.
  • Bei Ankunft des Rettungstransportwagens und des Notarztes wird der Arzt ausführlich eingewiesen.
  • Die Dokumente werden übergeben.
  • Alle weiteren im Standard "Krankenhauseinweisung" beschriebenen Maßnahmen werden umgesetzt.
Nachbereitung: nach Abfahrt des Kunden im Rettungswagen
  • Das Ereignis wird sorgfältig dokumentiert.
  • Die Pflegedienstleitung wird (sofern noch nicht geschehen) informiert.
  • Ggf. werden die Angehörigen informiert.
  Ausblick
  • Jeder dritte Kunde mit einem überstandenen Herzinfarkt erleidet später einen erneuten Infarkt. Mit jedem Ereignis sinken die Überlebenschancen deutlich.
  • Ein Infarkt stellt für den Betroffenen einen tief gehenden Einschnitt im Leben dar. Es ist damit zu rechnen, dass sich das Verhalten des Bewohners verändert. Insbesondere sind Depressionen möglich.
  • Nach einem überstandenen Herzinfarkt ist die Umstellung der Lebensgewohnheiten entscheidend. Dazu zählen Stress, Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen, Bewegungsmangel, Hypertonie zu reduzieren und das Rauchen aufzugeben.
  • Wird ein Herzinfarkt überlebt, bildet sich im betroffenen Muskelbereich des Herzens eine Narbe aus. Das Herz ist danach nur noch eingeschränkt leistungsfähig.

Dokumente:
  • Berichtsblatt
  • Vitaldatenblatt
  • Medikamentenblatt

Verantwortlichkeit:
  • alle Pflegekräfte
 
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