Notfallstandard "Asthmaanfall" |
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| Grundsätze: |
- Zumeist hat ein betroffener Kunde im Laufe der Jahre gelernt, die Krankheit und ihre Wirkung auf den eigenen Körper korrekt einzuschätzen. Eine wirksame Pflege kann nur dann gelingen, wenn im engen Dialog mit dem Bewohner dieses Wissen genutzt wird.
- Der Anfall wird von dem Betroffenen zumeist als lebensgefährlich empfunden. Daher ist ruhiges und besonnenes Handeln der Pflegekräfte ebenso wichtig wie die Wahl der richtigen Notfallmaßnahmen.
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| Ziele: |
- Die Gefahr wird korrekt eingeschätzt.
- Der Kunde atmet wieder ruhig und ohne Beschwerden.
- Es treten keine Komplikationen auf, insbesondere:
- chronisch obstruktive Bronchitis
- Lungenemphysem
- Cor pulmonale (Rechtsherzbelastung, die später in eine Rechtsherzinsuffiziens münden kann)
- Schock, Atemstillstand oder Tod als Folge einer Schleimverlegung der Atemwege
- Der Kunde kennt die Zusammenhänge, die zu einem Anfall führen oder diesen fördern.
- Der Kunde weiß, welche Medikamente er einnehmen soll. Er ist in der Lage, diese korrekt zu dosieren und anzuwenden.
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| Vorbereitung: |
- Wir führen mit dem Kunden ein Atemtraining durch. Häufig kann durch die richtige Atemtechnik die Symptomatik eines Anfalls abgemildert werden.
- Wir raten dem Kunden zu autogenem Training.
- Wir sorgen dafür, dass die Bedarfsmedikamente stets griffbereit liegen, also etwa immer in der Handtasche oder im Nachttisch.
- Wir suchen den Kontakt mit dem behandelnden Hausarzt. Wir bitten um detaillierte Vorgaben, wie im Notfall zu verfahren ist. Wichtig ist insbesondere eine Klärung im Vorfeld über Medikamentengaben, Sauerstoffverabreichung, Kontraindikationen usw.
- Alle Pflegekräfte müssen mit der Handhabung der Dosieraerosole vertraut sein. Es gibt viele verschiedene Systeme mit im Detail unterschiedlichen Anwendungsvorgaben. Die schriftliche Anleitung, die vom Hersteller mitgeliefert wird, muss daher stets in unmittelbarer Nähe des Geräts gelagert werden.
- Die meisten Kunden kennen die Vorzeichen für einen bevorstehenden Anfall. Wir bitten Betroffene daher darum, rechtzeitig vor dem Anfall über die Rufbereitschaft telefonisch die diensthabende Pflegekraft zu alarmieren.
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achten auf Symptome |
Wir achten auf Symptome, die für eine Asthmaattacke typisch sind:
- Atemnot
- giemende, brummende oder pfeifende Atmung
- verlängerte und erschwerte Ausatmung
- zäher, durchsichtiger Schleim beim Husten
- Unruhe bis hin zur Panik
- kalter Schweiß
- allgemeine Erschöpfung, ggf. Bewusstseinseintrübung
- deutliche Tachykardie
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| Durchführung: |
zu Beginn des Anfalls |
- Der Kunde wird nicht allein gelassen. Die Pflegekraft bleibt stets beim Kunden und versucht diesem, ein Gefühl von Sicherheit zu geben. Angst verschlimmert die Symptome, die wiederum noch mehr Angst auslösen. Per Handy wird die Rufbereitschaft informiert, um den weiteren Tagestourplan abzudecken.
- Bei vielen Kunden können körperliche Berührungen mit den Händen beruhigend wirken.
- Der Kunde erhält zwei Hübe des inhalativen und schnell wirkenden Bedarfsmedikaments.
- Wir bereiten uns darauf vor, dass das inhalierte Medikament zu Übelkeit, innerer Unruhe oder Tachykardie führen kann.
- Kunden neigen unter Panik häufig dazu, das Medikament überzudosieren. Daher sollte die richtige Dosierung von den Pflegekräften überwacht werden.
- Die Vitalwerte werden ermittelt.
- Einengende Kleidung wird geöffnet, etwa Kragen, Büstenhalter, Gürtel oder Hosenbund.
- Offensichtliche Allergieauslöser werden entfernt (Sommerblumen rausgestellt, Hund in anderes Zimmer gebracht usw.)
- Der Kunde erhält geringe Mengen Sauerstoff, sofern dieses nicht kontraindiziert ist. Der Kunde wird dabei ständig überwacht, da eine Atemdepression eintreten könnte.
- Ggf. wird die Atemluft angefeuchtet. Wir nutzen dafür einen Ultraschallvernebler und 0,9%ige NaCl-Lösung oder alternativ Aqua dest.
- Ggf. erhält der Kunde bei schwerster Panik ein Sedativum.
- Der Kunde wird in eine atemerleichternde Position gebracht. Bei mobilen Kunden ist der "Kutschersitz" zu bevorzugen. Immobile Kunden werden in die Oberkörperhochlagerung gebracht. Die Arme werden durch untergelegte Kissen unterstützt. Ggf. wird eine Bettverkürzung oder eine Knierolle ins Bett gelegt.
- Der Kunde wird aufgefordert, die Lippenbremse zu nutzen, sofern ihm diese Technik bereits schon zuvor bekannt war.
- Der Kunde sollte nach Möglichkeit durch die Nase einatmen.
- Das Fenster wird geöffnet, um frische Luft in den Raum zu lassen (Achtung: nicht bei feuchter oder kalter Witterung).
- Ggf. führen wir eine Vibrationsmassage durch, um die Atemmuskulatur zu unterstützen.
- Der Kunde wird am Ende eines Anfalls beim Abhusten des zähen glasigen Schleims unterstützt.
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keine Besserung nach 10 Minuten |
- Falls sich die Symptomatik innerhalb der ersten 10 Minuten nach Medikamentengabe nicht deutlich verbessert, führen wir (falls möglich) eine Peak-Flow-Messung durch (gemäß Standard "Peak-Flow-Messung"), um die Einschränkungen genau zu erfassen.
- Abhängig von den ärztlichen Vorgaben zur Bedarfsmedikation werden nun ggf. zwei weitere Hübe des Inhalats verabreicht oder alternativ Theophyllin als Trinkampulle eingegeben.
- Der Puls wird ständig überwacht. Insbesondere dann, wenn bereits zu Beginn der Attacke der Puls auf einen Wert von mehr als 120 erhöht war, besteht nun das Risiko, dass dieser noch weiter ansteigen könnte oder unregelmäßig wird.
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keine Besserung nach 20 Minuten |
- Der Notarzt wird verständigt.
- Die Krankenhauseinweisung wird vorbereitet (gemäß Standard "Krankenhauseinweisung").
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ergänzende Pflegemaßnahmen |
- Der Kunde erhält ggf. Wickel und Auflagen mit tageszeitlich wechselnden Wirkstoffen. Morgens nutzen wir schleimlösende Zitronenwickel. Am Abend kann der Hustenreiz mittels Lavendelöl gelindert werden.
- Wir prüfen, ob der Kunde "Kältezonen" hat, die Husten- und Asthmaattacken (mit)auslösen können. Recht häufig etwa sind dieses kalte Füße oder ein kalter Flanken-Nierenbereich.
- Lokalisierte Kältezonen werden auf eine geeignete Weise behandelt, etwa durch Fußbäder, warmes Unterhemd, Nierenwärmer, langes Nachthemd, Seidenschal für den Hals usw.
- Der Kunde erhält in keinem Fall Aspirin oder sonstige Schmerzmittel auf Acetylsalicylsäure-Basis, da das Asthmaanfälle auslösen kann. Eine Alternative ist der Wirkstoff Paracetamol.
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| Nachbereitung: |
allgemeine Maßnahmen: |
- Wenn dem Kunde ein Dosieraerosol eingegeben wurde, muss danach eine Mundpflege durchgeführt werden.
- Bei häufigem Gebrauch der Aerosole ist die Gefahr einer Pilzinfektion in der Mundhöhle gesteigert. Daher ist es notwendig, diese regelmäßig zu inspizieren.
- Der Kunde wird erst dann wieder allein gelassen, wenn sich sein Zustand vollständig normalisiert hat. In den folgenden zwei Stunden sollte seine Verfassung engmaschig überwacht werden.
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Dokumentation |
Die Attacke wird genau dokumentiert. Die Kriterien:
- Wie lange dauerte der Anfall?
- Wie empfand der Bewohner den Anfall subjektiv? Klagte er über Erstickungsangst?
- Welche Vitalwerte wurden gemessen, insbesondere Pulsfrequenz?
- War die Atmung "pfeifend"?
- Wie war die Hautfarbe? War der Kunde zyanotisch?
- War die Atemfrequenz erhöht, verlangsamt oder unregelmäßig?
- War der Kunde kaltschweißig?
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| Dokumente: |
- Leistungsnachweise
- Pflegebericht
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Verantwortlichkeit / Qualifikation: |
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