| Standard “Pflege von Menschen mit HIV / AIDS ” |
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| Grundsätze: |
- Wir legen Wert auf eine "normale" Behandlung des Kunden. Wir dulden keine Stigmatisierung von HIV-Infizierten.
- Übertriebene Hygienemaßnahmen und Distanz zum infizierten Kunden diskriminieren ihn.
- Wir enthalten uns stets jeder moralischen Wertung des Sexuallebens unserer Kunden.
- Wir beachten den Wunsch eines Kunden, die HIV-Infektion gegenüber Angehörigen und Außenstehenden Personen vertraulich zu behandeln. Die Vertraulichkeit endet, wenn ein infizierter Kunde, z.B. durch fahrlässiges Sexualverhalten, andere Menschenleben gefährdet.
- Die tägliche Routine darf nicht dazu führen, dass die Pflegekraft unvorsichtig oder nachlässig wird. Insbesondere die sichere Durchführung von Injektionen erfordert jedes Mal aufs Neue höchste Konzentration.
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| Ziele: |
- Die Ausbreitung von HIV wird vermieden. Mitarbeiter und Angehörige sind vor einer HIV-Infektion geschützt.
- HIV-Trägern wird ein Leben und Sterben in Würde ermöglicht.
- Infizierte Kunden nehmen weiterhin am sozialen Leben teil. Jede Form der Ausgrenzung wird vermieden.
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| Vorbereitung: |
- Wir halten stets ausreichend Schutzkleidung bereit.
- Unsere Pflegekräfte werden regelmäßig zum Thema HIV fortgebildet.
- Die korrekte und sichere Pflege von HIV-Trägern ist Teil der Einarbeitung neuer Mitarbeiter.
- Wir halten stets aktuelle Literatur zum Thema HIV bereit.
- Wir arbeiten eng mit Krankenhäusern und Ärzten zusammen, insbesondere in einrichtungsübergreifenden Arbeitsgruppen.
- Unser einrichtungsinternes Qualitätsmanagement beschäftigt sich regelmäßig mit Hygieneproblemen.
- Bei der Neuaufnahme werden Kunden befragt, ob sie den HIV-Virus in sich tragen. Ggf. wird der behandelnde Hausarzt konsultiert.
- Wir halten unseren "Hygieneplan HIV" stets auf dem aktuellen Stand.
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| Durchführung: |
Schutz der
Mitarbeiter |
- Alle Pflegekräfte sind strikt angewiesen, jede Form des "recapping" (Wiederaufsetzen der Kunststoffhülle auf die Kanüle) zu unterlassen.
- Scharfe oder spitze Gegenstände, die mit Blut oder anderen Körperflüssigkeiten in Kontakt gekommen sind, müssen gefahrlos entsorgt werden.
- Bei Kontakt zu möglicherweise virushaltigen Körperflüssigkeiten muss die Pflegekraft Schutzhandschuhe tragen. Wenn ein Kontakt mit virushaltigen Tröpfchen (Aerosole) möglich ist, sollten zusätzlich Mundschutz und Schutzbrille verwendet werden. Auch angetrocknetes Blut ist infektiös.
- Bei Durchfällen und nässenden Wunden ist ein Schutzkittel zu tragen.
- Vor dem Kontakt mit dem Kunden und nach dem Ablegen der Einmalhandschuhe führt die Pflegekraft eine hygienische Händedesinfektion durch.
- Beim Kontakt mit HIV-Infizierten dürfen ausschließlich Latex-Handschuhe verwendet werden. Falls eine Allergie gegen Latex besteht, sollte die Pflegekraft erst einen Handschuh aus einem alternativen Material (z.B. Vinyl) anziehen und darüber einen Latex-Handschuh (robuster) tragen.
- Wir legen allen Mitarbeitern dringend eine Hepatitis-B-Impfung nahe. Für medizinisches Personal in Deutschland ist die Impfung Pflicht. Die Kosten werden vom Arbeitgeber übernommen.
- Wir achten besonders auf eine gute Hautpflege unserer Pflegekräfte, da durch Risse in der Haut infektiöses Material eindringen kann. Die Pflegekräfte sollten sich die Hände regelmäßig eincremen.
- Wir setzen nur solche Instrumente ein, bei denen das Risiko einer Verletzung minimiert ist.
- Wenn Angehörige sich an der Pflege beteiligen, werden diese über die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen informiert.
- Häufig ist der Infektionsstatus eines Kunden nicht bekannt. Bei folgenden Gruppen (soweit bekannt) bitten wir um einen entsprechenden Bluttest. Wird dieser verweigert, gehen wir sicherheitshalber von einer bestehenden Infektion aus und setzen alle notwendigen Maßnahmen um:
- Homosexuelle
- Bi-Sexuelle
- Drogenabhängige
- (Ex-)Prostituierte
- Bluter
- Transplantationspatienten
- Hämodialysepatienten
- (Ex-)Lebenspartner von HIV-Infizierten
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infizierte Mitarbeiter |
- Im Fall einer Schnitt- oder Nadelstichverletzung wird der entsprechende Notfallstandard (Postexpositionsprophylaxe) ausgeführt.
- Wenn ein hinreichender Verdacht auf eine Infektion der Pflegekraft besteht, wird deren Infektionsstatus ermittelt.
- Pflegekräfte mit einer HIV-Infektion dürfen keine Tätigkeiten durchführen, bei denen eine Übertragung der Infektion auf Kunden möglich ist.
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Pflegeschwerpunkte im 1. Stadium |
- Der Kunde ist zunächst symptomfrei, benötigt aber Beistand und seelische Unterstützung. Wir nehmen uns daher stets ausreichend Zeit, um ein Gespräch mit ihm zu führen.
- Wir vermitteln ggf. Kontakt zu einem Seelsorger oder zu Selbsthilfegruppen.
- Wir ermutigen den Kunden, den Kontakt zu Angehörigen und Freunden nicht abreißen zu lassen. Insbesondere sollte er an gesellschaftlichen Veranstaltungen teilnehmen.
- Wir sorgen für einen regelmäßigen Tagesablauf und insbesondere ausreichend Schlaf.
- Wir achten auf eine ausgewogene Ernährung des Kunden, zudem sollte er das Rauchen und den Alkoholgenuss einstellen.
- Der Kunde sollte sich im Rahmen seiner Fähigkeiten angemessen körperlich bewegen.
- Der Kunde sollte auf ausgedehnte Sonnenbäder verzichten.
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Pflegeschwerpunkte im 2. Stadium |
- • Der Kunde kann zunehmend unter allgemeiner Schwäche, Schwindelanfällen oder Verwirrtheit leiden. Dieses erhöht die Sturzgefahr. Wir setzen daher die Maßnahmen des Standards "Sturzprophylaxe" um.
- Häufig kommt es durch Herpes zu Ulzerationen im Analbereich. Diese können durch Sitzbäder in gelöstem Eichenrindenextrakt (Gerbstoffe) behandelt werden.
- Eine sorgfältige Mundpflege ist wichtig, um das Auftreten von Mundsoor zu verhindern. Der Kunde sollte daher seinen Mundraum zweimal pro Tag mit Myrrhetinktur ausspülen. Ggf. sollte der Kunde einen Zahnarzt konsultieren. Zudem werden alle Maßnahmen der Soorprophylaxe umgesetzt.
- Wir ermitteln regelmäßig den BMI des Kunden.
- Falls notwendig, wird die Körpertemperatur des Kunden engmaschig ermittelt. Der Kunde wird gebeten, bei relevanten Symptomen eigenständig zu messen.
- Das Abführverhalten des Kunden wird sorgfältig überwacht und alle Prophylaxen durchgeführt. Bei Diarrhöe oder Obstipation werden die im entsprechenden Standard beschriebenen Maßnahmen durchgeführt.
- Der Kunde wird ermutigt, trotz der ggf. schweren Nebenwirkungen die Medikamente konstant einzunehmen.
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Pflegeschwerpunkte im 3. Stadium |
- Wir achten auf Anzeichen für eine Pneumocystis-carinii-Pneumonie wie etwa Fieber, Abgeschlagenheit, Atemnot bei Belastung und trockener Husten. Bei einer Zahl von T-Helferzellen unter 250/µl sollte eine Primärprophylaxe mit Pentamidin©-Inhalation oder Cotrimoxazol© durchgeführt werden.
- Wir achten auf Symptome einer Toxoplasmose. Diese zeigt sich durch Lymphknotenschwellung und Lymphdrüsenentzündung, Fieber, Halsschmerzen sowie weitere grippeähnliche Symptome. In schweren Fällen kann eine Meningoenzephalitis auftreten (auf das Gehirn übergreifende Meningitis oder auf die Meninges übergreifende Enzephalitis). Um eine Infektion zu vermeiden, sollte der Kunde kein rohes oder ungenügend gekochtes Fleisch zu sich nehmen. Vorsicht ist beim Umgang mit Katzen (besonders Katzenkot) notwendig.
- Wir achten auf Anzeichen für eine Infektion mit CMV (Cytomegalie-Virus). Eine Infektion kann zu Sehbehinderungen führen, insbesondere leuchtende Punkte im Gesichtsfeld oder verminderte Sehschärfe. Wenn eine Behandlung unterbleibt, kann der Bewohner erblinden. Der Virus kann mit Ganciclovir© bekämpft werden.
- Wir achten auf Symptome einer Herpes-zoster Infektion (Gürtelrose). Wegen der Immunschwäche kann diese Krankheit besonders schwer verlaufen. Eine Infektion führt zu Abgeschlagenheit und leichtem Fieber. Später wird ein entzündlicher Hautausschlag sichtbar. Therapiert wird die Krankheit mittels austrocknender und desinfizierender Lokalbehandlung. Wichtig ist eine gute Schmerzbehandlung. Betroffene Hautregionen werden nicht gewaschen sondern trocken gehalten. Die Hautschädigungen werden gemäß den ärztlichen Vorgaben behandelt.
- Wir stellen einen angemessenen Schutz vor sekundären Tumoren sicher. Dazu zählen insbesondere Zervix-Karzinome und maligne Lymphome. Wir empfehlen unseren Bewohnern, ärztliche Vorsorgeuntersuchungen zu nutzen. Insbesondere infizierte Frauen sollten regelmäßig einen Gynäkologen aufsuchen.
- Wir achten auf Veränderungen, die für eine AIDS-Demenz sprechen, also etwa Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Antriebsminderung oder psychomotorische Verlangsamung.
- Pflegekräfte oder andere Besucher, die an einem Infekt (Grippe, Schnupfen, Husten usw.) leiden, dürfen das Zimmer des Bewohners nicht betreten. Sollte sich dieses nicht vermeiden lassen, ist ein Gesichtsschutz zu tragen.
- Ggf. kontaminierte Gebrauchsgegenstände können mit einem herkömmlichen Desinfektionsmittel gesäubert werden.
- Ggf. setzen wir die im Standard "Sterbegleitung" beschriebenen Maßnahmen um.
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Maßnahmen bei zerebralen Krampfanfällen / Prophylaxe |
Prophylaxe:
- Gefährdete Kunden sollten nicht allein aus dem Bett aufstehen.
- Im Umfeld des Kunden werden alle Gegenstände entfernt, die bei einem Krampf zu einer Gefährdung führen können.
Maßnahmen bei einem Krampf:
- Die Pflegekraft bewahrt Ruhe und bleibt bei dem Kunden. Sie stellt sicher, dass sich dieser nicht verletzt.
- Der Kunde wird nicht festgehalten oder fixiert. Es wird ihm auch kein Keil zwischen die Zähne geschoben.
- Wenn der Krampf zum ersten Mal auftritt, ungewöhnlich heftig ist, länger als 10 Minuten dauert oder mehrfach hintereinander auftritt, wird umgehend ein Arzt gerufen.
- Der Kunde wird nach dem Anfall in eine stabile Seitenlage gebracht. Ggf. wird Erbrochenes aus dem Mundraum entfernt.
- Ggf. wird die Wäsche gewechselt und eine Intimpflege durchgeführt.
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Beratung von besonders gefährdeten Bewohnern |
- Wir machen drogenabhängige Kunden auf das Risiko von Spritzen- und Kanülentausch, deren Mehrfachnutzung sowie gemeinsame Verwendung anderen Zubehörs ohne ausreichende Desinfektion aufmerksam.
- Sexuell aktive Kunden machen wir auf das Risiko ungeschützten Verkehrs aufmerksam, insbesondere bei homosexuellen Männern. Wir empfehlen dringend die Nutzung von Kondomen.
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Beobachtung und Dokumentation |
Wir erfassen regelmäßig den Gesundheitszustand des Kunden, um Veränderungen rechtzeitig zu erkennen. Insbesondere:
- allgemeines Befinden, Gewicht
- Ausscheidungen, insbesondere Verfärbung des Harns und des Stuhls
- Kreislauf, Atmung, Bewusstseinszustand, Körpertemperatur
- Blutungen der Haut und der Schleimhaut
- Blutzuckerwerte
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weitere Maßnahmen |
- Der Kunde wird -falls möglich- regelmäßig gegen die Grippe geimpft.
- Der Gesundheitszustand des Kunden kann sich jederzeit ändern. Wir passen dann kurzfristig die Pflegeplanung an.
- Wir beraten den Kunden und seine Angehörigen insbesondere zu Fragen der Ansteckungsvermeidung.
- Alle Pflegekräfte, die in Kontakt mit einem infizierten Kunden kommen, führen vor und nach dem dem Einsatz eine hygienische Händedesinfektion durch.
- Die Versorgung von offenen Wunden muss besonders sorgfältig erfolgen. Bei Zu- und Ableitungen ist strikt auf Asepsis zu achten.
- Der Kunde sollte sich eiweiß-, vitamin- und kalorienreich ernähren. Ein normaler BMI wird angestrebt.
- Der Kunde sollte möglicherweise keimbelastete Nahrungsmittel meiden, wie etwa rohes Mett, Tartar oder angebrochene Lebensmittelkonserven.
- Der Kunde sollte sich nur noch trocken rasieren.
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| Nachbereitung: |
- Alle Pflegeleistungen und Beobachtungen werden sorgfältig dokumentiert.
- Wir nutzen regelmäßig Supervision, um einen "Burn-Out" der Pflegekräfte zu vermeiden.
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| Dokumente: |
- Pflegebericht
- ärztliches Verordnungsblatt
- Pflegeplanung
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| Verantwortlichkeit / Qualifikation: |
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